FRIEDHOFSSÄUBERUNG IM NOVEMBER

Friedhofssäuberung im November

Am 15. November 2018 lud der Evangelische Friedhofsverband Freiwillige auf die Friedhöfe an der Bergmannstraße. Erstaunlich viele aus dem Umkreis der Evangelischen Kirche wollten sich das nicht entgehen lassen und kamen, um sich einmal anders auszutoben. Ein frisch gebackener Rentner nahm es mit Humor: „Statt ins Fitnescenter geh ich heute halt mal auf den Friedhof und tobe mich beim Laubrechen aus!“ Auch den anderen Frauen und Männern schien es viel Spaß zu machen. Es wurde viel gelacht und nicht selten kam es sogar zu persönlichen Gesprächen.

  • Auch diese Leute beabsichtigen alles andere als durch herbstliches Rackern auf dem Friedhof ein kollektives Arbeiterklassen-Standbild zu initiieren.

Leider hielt das vom Friedhofsverband neu angeschaffte und den Freiwilligen zur Verfügung gestellte Equipment nicht in jedem Fall, was es versprochen hatte. Während nämlich Schubkarren, Schaufeln und Besen der Beanspruchung standhielten, gingen die vielen neuen Rechen schon nach kurzer Anwendung in die Brüche. Das war leider keine deutsche Wertarbeit, Herr Friedhofsverwalter! Sei’s drum . . . Die Leute nahmen es belustigt zur Kenntnis, halfen sich gegenseitig und hatten nach zwei Stunden allerhand Laub zusammengekehrt, was Pfarrer Jürgen Quandt später so zusammenfasste: Die Leute hätten hart gearbeitet und seien eine große Hilfe gewesen.

Anschließend ging es ins Kirchencafe, wo der Verband zwar nicht wie von manchem erhofft, die nicht nur aufgrund der herbstlichen Temperaturen notwendigen geistigen Getränke kredenzte, dafür aber jedem Helfer Kaffee und Blechkuchen spendierte, was auch von allen gustiert wurde.

Inzwischen war auch Pfarrer Quandt eingetroffen, der den Kaffeeklatsch sogleich segnete. Der Gottesmann entschuldigte seine Abwesenheit mit der Erfüllung eines frommen Auftrages: Er habe nähmlich einen behördlich abgelehnten Asylbewerber zum Amt begleiten müssen. Die Leute nahmen es teilnahmslos zur Kenntnis, genossen den Blechkuchen, tranken ihren Kaffee oder Tee und unterhielten sich mit dem Gegenüber oder der Tischnachbarin über dies und das und trugen sich zu guter Letzt noch in eine vom Verband ausgelegte Liste ein.

Bevor sich die Veranstaltung auflöste, sprach jemand aus dem Publikum noch den meisten Anwesenden aus der Seele: „Einige würden gerne häufiger auf diese Weise zusammenkommen.“ Zum Erstaunen mancher traf dieser Vorschlag nicht auf ungeteilte Zustimmung. Nein, so etwas würde so schnell nicht mehr stattfinden, aber wer wolle, könne sich ja an die Gärtnerin wenden und ihr auch künftig helfen. Damit war das Engagement dort gelandet, wo es hin sollte, schließlich hatte ein Teilnehmer schon zuvor gemunkelt: Diese Veranstaltung komme ihm irgendwie wie eine geplante PR-Maßnahme vor! Hoffentlich hat er sich geirrt. Das wäre gut für die Umwelt, gut für die Vögel und die anderen kleinen Mitgeschöpfe, kurz: Für alles, was auf den Friedhöfen kreucht und fleucht.

Klaus Lückert

Bergmannfriedhoefe.de – 18. August 2019

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