Editorial 2 / 20.12.2017

Storck essen Seele auf

Sind Sie vielleicht schon einmal in einem sozialpädagogischen Beruf tätig gewesen oder kennen Sie jemand, die/der dies getan hat und vielleicht heute noch tut? Falls ja, und dafür spricht gerade in Kreuzberg einiges, dann kennen Sie vielleicht die folgende Grundstruktur einer immer wiederkehrenden Erzählung (Narrativ, sagen die postmodern Gebildeten unter uns, har har . . .): Ein gerade aus den nebligen Gefilden des Deliriums heimgekehrter Suchtkranker, meistens ein/e Alkoholiker/in deklamiert noch mit Resten des Teufelsstoffes im Blut so etwas, das Christenmenschen einstmals „Damaskuserlebnis“ genannt hätten. Er/sie werde fortan der Droge und allen verdächtigen Substanzen entsagen und darüber hinaus mit einem gigantischen lebenslänglichen Aufklärungswerk beginnen, das der Welt ein für allemal klar mache: „Der Teufel hat den Schnaps gemacht!“

Wer aus eigener Praxis oder/und Erzählungen anderer diese Dinge kennt, weiß gleichwohl auch, wie schwer dann die proklamierte Wandlung vom Saulus zum Paulus wirklich werden sollte. Weil wir dies alles wussten, näherten wir uns auch völlig illusionsfrei jenem pathetischen Schuldeingeständnis aus der Storckschen Prosaproduktion das kürzlich mit der Absenderangabe „Erklärung des Gemeindekirchenrates“ in und um die Passionskirche angebracht wurde. „In den letzten Jahren“, heißt es in jenem denkwürdigen Schreiben, „nimmt in unserem Land gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu.“ Ach, welch Balsam hätten solche Worte doch für unsere wunden Kritikerseelen sein können. Waren wir doch sowohl namentlich als Einzelne als auch als Mitglieder der Initiative dem gruppenbezogenen Hass des Hasspredigers Peter Storck, seiner Claqueure und Mitläufer ausgesetzt. Die Kanzel der Passionskirche wurde mindestens einmal für eine demagogische Hasspredigt gegen unsere Initiative und unser Anliegen entweiht. Im Internet erschienen Aufrufe zur Gewaltausübung gegen die Mitglieder der Initiative, die in einer interessanten projektiven Umkehrung als Rechte“ und „Völkische“ verglimpft wurden.

Auch wenn wir inzwischen wissen, dass sich hinter der rhetorischen Maske jungautonomer Streetfighter mehrheitlich ältere Herrschaften aus der 61-er Kneipen- und Markthallenszene verbergen, die menschliche Niedrigkeit solchen Treibens kotzt uns immer noch ziemlich an. So wie uns auch das um die Kirche platzierte Schuldeingeständnis ankotzt, weil es offenbar nicht einmal mit dem illusionären Pathos des oben erwähnten Suchtkranken verfasst wurde, vielmehr der Wille zum verbissenen Weitermachen wie bisher, der Wille mit Hass und Destruktivität fortzufahren, der Inspirator dieser seltsamen Schrift gewesen ist. Denn nur ein Satz weiter heißt es in dem vom Gemeindekirchenrat verantworteten Pamphlet „Menschen werden ausgegrenzt und angegriffen, weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören.“ Wie wahr! Wie wahr? könnte man meinen, Schließlich wurden ausgerechnet wir mit der Behauptung, wir seien „völkisch“, ausgegrenzt, weil wir es uns erlaubt hatten, in Bezug auf das Verhältnis der sich selbst völkisch als Umma definierenden Gruppe der sunnitischen Muslime und dem Friedhof einige kritische Fragen zu stellen. Nicht dass wir meinen, solcherlei routiniert daherkommende Lüge und Verunglimpfung sei exklusiv nur bei den Demagogen vom Marheinekeplatz zu finden. Wir wissen, dass es sich hier um ein Allgemeingut im zeitgenössischen Merkel-Deutschland handelt: Wer autoritäre, brutale und menschenverachtende Verhaltensweisen und kulturelle Standards sogenannter „Geflüchteter“ kritisiert, wird in Merkel-Deutschland als Rassist, Sexist, islamophob und was sonst noch alles denunziert. In dem Land, dessen gespenstischer Opferkult inzwischen nicht nur die eigenen selbstverschuldeten Toten und Flüchtlinge des WK-2 umfasst, in dem der morbide Kult einer Gemeinschaft von Selbstmordattentätern, wie sie etwa die Deutschen Anfang 1945 darstellten, mit Pathos auf Schauplätze islamischer Selbstabschlachtung wie Aleppo und Ähnliches übertragen wird, wird mühelos der islamistische Attentäter zum bedauernswerten Geflüchteten. Dem 24-jährigen Anis Amri war es vor seiner finalen gottesfürchtigen Tat gelungen, 16 Mal hintereinander eine andere Identität vor professionellen Flüchtlingsbürokraten aufzuführen. Möchten wir eigentlich wissen, wie oft der spätere Massenmörder mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer/inne/n zusammenhing, ihre Lobhudeleien und andere peinlichen Zuwendungen entgegen nahm? Besser wir sagen es hier gleich offen: Auch dem Islam sind wir gram!

Wenn wir überhaupt in diesem Land der Konformisten und Speichellecker, der Ewig-Gewehr-bei-Fuß-Stehenden mit irgendwem solidarisch sein können, dann nur mit solchen, die sich den deutschen Zumutungen widersetzen. Und keinesfalls mit solchen, die, weil sie den sadistischen Todeskult einer archaischen Kriegsgesellschaft, wie sie die islamische Umma darstellt, favorisieren, das deutsche Unheil nicht der Ausgrenzung, sondern der Selektion, nicht der Abschiebung, sondern der Vernichtung, aktiv noch bestärken. Manchmal zwitschern auch schräge Vögel die Wahrheit. Als Karl Lagerfeld im französischen TV richtig feststellte, Deutschland habe Millionen Juden ermordet und hole nun Millionen der ärgsten Judenfeinde ins Land, war das konformistische Bohei groß. Dabei hatte der Mann doch nur das gesagt, was jeder wissen kann, auch der blödeste Berliner PW-Lehrer oder Lokaljournalist. Was innerhalb der muslimischen Communities vor sich geht, wie dort mit Kindern, Frauen und Schwachen umgegangen wird, was man dort über Homosexualität und andere Selbstverständlichkeiten der menschlichen Selbstbestimmung denkt, was man dort von den Juden, der Shoah und den Nazimördern hält, kann jeder jederzeit erfahren. Man mag den islamischen Kreisen einiges vorwerfen können, doch dass man dort wenig freimütig mit seiner Meinungsäußerung zu den genannten Punkten umgehe, gehört gewiss nicht in die Liste der Vorwürfe. Die meisten der AFD-Wähler/innen und vormaligen Pegida-SympathisantInnen, die wir kennen, stammen aus dem sogenannten migrantischen Milieu, haben sich zum Teil sehr mühe- und schmerzhaft aus ihren islamischen Familienzusammenhängen lösen müssen. Diese Menschen, von denen einige uns sehr nahe stehen und unsere unbedingte Loyalität genießen, fühlen sich durch den massenhaften Zustrom namentlich islamisch-sunnitischer „Flüchtlinge“ bedroht. Ebenso bedroht fühlen sie sich durch die islamophile Demagogie der merkel-deutschen Eliten. Dieser Haltung schließen wir als Initiative uns an. Wenn wir die kultur- wie architekturhistorischen Denkmäler der Kreuzberger Friedhöfe bewahren wollen, so auch, um dem zunehmenden Verfall des Individuums, individueller Lebensgestaltung und individueller Freiheit (so ideologisch wie illusorisch das im Einzelnen auch immer gewesen sein mag) etwas entgegenzusetzen. Wir denken, es gibt einen Zusammenhang zwischen einem immer gleichförmiger werdenden Leben im Spätkapitalismus, dem zunehmenden Bedürfnis der Menschen ihre Leichname verbrennen zu lassen und möglichst sang- und klanglos zu verschwinden und dem Wunsch nach Aufgehen in einer gleichförmigen Masse, die jedes Streben nach persönlichem Weltempfinden barbarisch bestraft.

Es gibt u. E. viele Bezüge zwischen Selbstmordattentätern und Nazis, viele Ähnlichkeiten zwischen den proislamischen Antifa-Aufmärschen unserer Zeit und den Sturm-Abteilungen (SA) der Nationalsozialisten. Die zwangshomosexuellen Geschlechtergemeinschaften der Nazis ächteten gleichermaßen jede reale Homosexualität wie dies die Zwangsgemeinschaften der islamischen Geschlechterapartheid praktizieren. Wenn Freitag in den meisten Moscheen zum (Todes-)Kampf gegen Israel aufgerufen wird, unterscheidet sich das nur durch eine spezifische Rhetorik von gleichartigen NS-Aufrufen zum Kampf gegen das „organisierte“ Judentum.

„Menschenfeindlichkeit schadet unserer und ihrer Seele“ ist demagogisch das Pamphlet des Gemeindekirchenrates überschrieben. Dieser Slogan – der auch als Transparent an den beiden Kirchen hängt – ist in seinem Kontext demagogisch, weil er unterstellt, die Gegner des menschenfeindlichen Islams seien nicht nur selbst Menschenfeinde, sondern vielmehr sogar die einzigen Menschenfeinde, während die Anhänger des Islams als bedauernswerte „Geflüchtete“ verklärt werden. Natürlich kann so eine krude Weltanschauung in Bezug auf eine Organisation, wie etwa einer Kirchengemeinde nicht ohne eine gerüttelte Portion Zwang und Druck auskommen. Über wahnwitzig Überzeugte, sei es in islamischen Communities oder in den islamaffinen Gruppen der postchristlichen Kirchen in Deutschland, schwebt auch immer die Drohung mit dem Verhängnis von Verurteilung und Ausschluss: „Wir halten das für eine gefährliche Entwicklung“, heißt es in dem Text des Gemeindekirchenrates wohl noch mit Blick nach außen. Der Innenblick gibt sich gleichermaßen alarmiert, kommt jedoch ein wenig schriller im Ton daher: „Auch innerhalb unserer Kirche gibt es nicht wenige Menschen, die von dieser Haltung der Ausgrenzung verbunden mit nationalistischen Ideen angesteckt werden.“ Abgesehen davon, dass wir nationalistische Ideen in der letzten Zeit höchstens bei LINKEN und SPD feststellten und bei deren Kritikern in der Regel nicht, wollen wir dazu noch folgendes feststellen: Offensichtlich glauben die Verfasser dieses Machwerks an einen Zusammenhang von politischer Einstellung und körperlicher bzw. mentaler Konstitution. Wer ihre Auffassung nicht teilt, ist „angesteckt worden“, ist also krank.

Im Klartext: Es ist die Masche aller autoritären Politik- und Regierungsformen abweichende Auffassungen als krank und damit schädlich zu bezeichnen. Die Repressionsmaßnahmen, die ergriffen werden, um die Abweichler zum Schweigen zu bringen, werden häufig mit Begriffen aus dem Gesundheitswesen umschrieben, etwa wenn man „sozial-sanitäre“ Maßnahmen gegen „Parasiten und Zersetzer“ durchführt. Auch kann man leicht in Erfahrung bringen wie beispielsweise in der Türkei mit den Begriffen „geisteskrank“ und „schizophren“ umgegangen wird, wenn es darum geht sozial- und/oder sexuell abweichende Familienmitglieder zu disziplinieren, abzuschieben oder etwa durch „Selbstmord“ verschwinden zu lassen.

Wir hoffen, dass diese kurze Erklärung für ein wenig Klarheit sorgen wird und wir nun auch nicht weiter dauernd gefragt werden, ob wir nicht doch für die lieben Geflüchteten eine kleine Spende übrig hätten. Nein, haben wir nicht. Nein, wir mögen den autoritären Islam nicht, wir mögen auch nicht seine eilfertigen Zuarbeiter, seien sie Politiker, Pressefuzzis, postchristliche Pfarrer und andere Unterwerfungsbedürftige. Wir haben schon nicht mitgesungen als die jungen Storcks in ihren K-Gruppen, Autonomenplena und prosowjetischen Gemeinden noch das Hohe Lied der menschlichen Selbstunterwerfung als „Einsicht in die Notwendigkeit“ ertönen ließen. Wir sind inzwischen älter geworden, aber greisenhaftes Vernünfteln hat uns bis jetzt ebensowenig erwischt wie die senile Bettflucht.

Die Redaktion.     20. Dezember 2017          (als PDF öffnen)

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