BZ

8.11.2019 (16:14): Für etwa 150 Bewohner. Auf Kreuzberger Friedhofsgelände soll Flüchtlingsunterkunft entstehen

In Kreuzberg soll auf einem Friedhofsgelände eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Geplant sei eine Anlage mit „langfristiger Perspektive“ für etwa 150 Bewohner und mit guten Integrationsbedingungen, sagte der Geschäftsführer im Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, Ekki Gahlbeck, am Freitag.
Gedacht sei an Ein- bis Vierzimmer-Apartmentwohnungen. Das Gebäude soll auf einer nicht genutzten Wirtschaftshoffläche des Friedhofes Friedrichswerder in Holzmodulbauweise errichtet werden. Er hoffe, dass im nächsten Jahr gebaut werden könne.
Gahlbeck zufolge sei Bedenken bei früheren Planungen Rechnung getragen worden, indem der Abstand zu den Gräbern vergrößert wurde. […] Jetzt müsse noch wegen des Denkmalschutzes Klarheit geschaffen werden. Eine weitergehende Bebauung der denkmalgeschützten Friedhöfe mit Wohnungen sei nicht beabsichtigt. Gahlbeck kündigte eine öffentliche Informationsveranstaltung an, bei der Anwohner und Friedhofsnutzer über das Projekt informiert werden sollen.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt nach eigenen Angaben das Bauvorhaben. Demnach sollen in den nächsten Jahren 1000 Unterkunftsplätze und auch normale Wohnungen für Geflüchtete geschaffen werden, hieß es. Das Bauvorhaben sei Teil dieses Konzeptes. Der Bezirk habe eine positive denkmalschutzrechtliche Stellungnahme abgegeben.


Hinweis (Bergmannfriedhoefe.de / 9.11.19): Der Artikel wurde gekürzt, Absatzzeichen entfernt, Auslassungen so […] markiert. Dies ist der Link zur Quelle: https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/auf-kreuzberger-friedhofsgelaende-soll-fluechtlingsunterkunft-entstehen

17.06.2017: Fledermäuse und Flatter-Ulmen verhindern modulare Unterkünfte (von Gunnar Schupelius)

Aktualisiert 18.06.2018 10:54

Wenn Plattenbauten für Asylbewerber errichtet werden sollen, zählen die Einwände der Nachbarn wenig. Der Naturschutz dagegen wiegt schwerer. Das ist nicht fair, meint Gunnar Schupelius

Überall in der Stadt wehren sich Anwohner gegen „Mobile Unterkünfte für Flüchtlinge“, die man im Jargon des Senats abgekürzt auch „MUF“ nennt. Das sind Plattenbauten, die im Eilverfahren und ohne die sonst üblichen langen Genehmigungswege errichtet werden, um Asylbewerber unterzubringen. In Kreuzberg zum Beispiel soll eine MUF auf dem Friedhof an der Jüterboger Straße entstehen. Hier schlägt sich die CDU auf die Seite der protestierenden Anwohner. Gegen eine MUF sprächen dort „Gründe der Totenruhe, des Naturschutzes, des Denkmalschutzes und der Stadtentwicklung“, sagte der CDU-Bezirksverordnete Timur Husein. Tatsächlich wurde mit dem Bau einer MUF auf dem Friedhof noch nicht begonnen, weil die Denkmalschützer die Stirn runzeln. Die Sorgen der Anwohner waren weniger ausschlaggebend. […] Die Anwohner kommen aus dem Staunen nicht heraus. Denn wenn sie Einwände gegen eine MUF erheben, dann lassen sich Bezirksamt und Senat davon kaum beeindrucken. Wenn aber die Flatter-Ulme oder die Fledermaus ins Spiel kommen, dann ist von ernsthaften Gründen die Rede, die eine MUF verhindern können. Dieses Spiel ist nicht fair. […] Bezirksämter und Senat behaupten, so eine Modulare Unterkunft sei ein Provisorium und werde nur vorübergehend mit Asylbewerbern belegt. Danach, so lautet das schöne Versprechen, sei dort Platz für Studenten und andere Wohnungsuchende. Dieses Versprechen ist aber ein leeres Versprechen, denn die Asylbewerber können aus den MUFs gar nicht wieder ausziehen. Wer Asyl bekommt, muss dort bleiben, weil er keine Wohnung findet. Wer kein Asyl bekommt, bleibt auch dort, weil aus Berlin praktisch niemand abgeschoben wird. Zusätzlich kommen pro Monat etwa 1000 neue Asylbewerber in die Stadt, weil ja an den Grenzen niemand abgewiesen wird. Die Modularen Unterkünfte sind also gar kein Provisorium, sondern eine als Provisorium verkleidete Dauerlösung. Den Anwohnern erzählt man immer das gleiche Märchen, dass alles bald vorbei sei. Diese Unehrlichkeit ist es, die wütend macht.


Hinweis d. Red.: Der Artikel wurde gekürzt, Absatzzeichen entfernt, Auslassungen so […] markiert. Hier der Link zur Quelle: https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/fledermaeuse-und-flatter-ulmen-verhindern-modulare-unterkuenfte

Bergmannfriedhoefe.de – 22. Juni 2017 (letzte Aktualisierung: 9.11.19)

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