BRIEF AN BERLINS OBERE DENKMALSCHUTZBEHÖRDE

Brief an Berlins Obere Denkmalschutzbehörde


Hans W. Korfmann
Heimstraße 22
10965 Berlin

Senat für Kultur und Europa
Obere Denkmalschutzbehörde
z. Hd. Frau Burtin
Brunnenstraße 188-190
10119 Berlin

Betr. Bebauung der Friedhöfe an der Bergmannstraße

Berlin, den 11. 10. 2019

Sehr geehrte Frau Burtin,

Sie haben gestern einige Mitglieder der Bürgerinitiative gegen eine Bebauung des Friedhofs an der Jüterboger Straße aufgefordert, Ihnen zu schreiben. Ich hoffe, diese Aufforderung war kein Akt bloßer Höflichkeit, sondern ernst gemeint. Deshalb schreibe ich Ihnen.

Ich wohne seit vielen Jahren am Friedhof, meine Mutter und viele meiner Freunde sind dort begraben. Ich bin Journalist und lange für die ZEIT und Frankfurter Rundschau aktiv gewesen. Darüber hinaus gebe ich seit 20 Jahren die Kreuzberger Chronik heraus und habe für eine Reportage über die Veränderungen auf den Friedhöfen neben der Süddeutschen Zeitung und dem Sender 3sat einen Preis erhalten. Ich erwähne das, um deutlich zu machen, dass ich mit dem Thema vertraut bin.

Ich möchte mit diesem Brief darauf hinweisen, dass der ev. Kirchenverband es – entgegen seiner Versprechungen  – versäumt hat, die Bevölkerung über das Bauvorhaben ausreichend zu informieren. Er hat – vollkommen zu recht – befürchtet, dass er auf erheblichen Widerstand in breiten Teilen der Bevölkerung stoßen würde, wenn bekannt würde, was dort geplant ist. Das ist respektlos und unmoralisch.

Der Friedhof mit seinen historischen Gräbern und seiner Tier- und Pflanzenwelt ist eine selten gewordene Oase in der Stadt, die in jedem Fremdenführer erwähnt wird, alljährlich Tausende von Berlinbesuchern anzieht. Dass es auch angesichts des Klimawandels fraglich ist, ob eine Umwandlung derart gesunder Grünflächen in Bauland zu rechtfertigen ist, liegt auf der Hand.

Das Denkmalamt ist wie so oft auch in diesem Fall das Zünglein an der Waage. Ich möchte Sie bitten, diese Sache gut abzuwägen. Wohnungsbau muss weder auf dem Tempelhofer Feld, noch auf einem so ehrwürdigen, denkmalgeschützten Friedhof stattfinden. Es gibt Ausweichmöglichkeiten.

Ich lege Ihnen das Heft mit jener Reportage bei, die – ohne mein Wissen – zur späteren Gründung der Bürgerinitiative führte, und die 2017 weit über 3000 Unterschriften gegen die Bebauung sammelte, und die daraufhin von den lokalen Kirchenvertretern aufs Schärfste angegriffen wurde. Machen Sie sich ein Bild und nutzen sie die Chance des Denkmalschutzes, um ein Stück Berliner Geschichte und Natur zu erhalten.  – mit frd. Grüßen

Hans W. Korfmann

(Brief als PDF öffnen)


Hinweis: Den Brief schickte Hans W. Korfmann am 11.10.2019 an die Obere Denkmalschutzbehörde Berlins, ohne freilich bis heute eine Antwort zu erhalten.

Bergmannfriedhoefe.de – 13.11.2019

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