Editorials


zum Thema Keine Bebauung – Für die Erhaltung der Bergmannfriedhöfe



Bisherige Editorials (Nr. 1 – 5) auf einen Blick:

Editorial 05 / 27.09.2019


Jakob van Hoddis
Weltenende (1911)

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.


ES TUT SICH WAS

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, hat die Evangelische Kirche eine taktische Veränderung bei der Realisierung der Bebauung der Bergmannfriedhöfe vorgenommen. Nicht mehr ein Flüchtlingsheim solle am südöstlichen Rand des Friedrichswerderschen Friedhofs errichtet werden, sondern ein „Klima-Pavillion“. Dies sei, wie verlautet, die richtige Antwort auf Fragen, die „erst die Zukunft mit Vehemenz“ stellen werde. Mit ihrer Entscheidung gehe die Kirche auf drängende Fragen nicht nur der Jugend ein und erweise sich so „als reliabler Freizeitdienstleister des 21. Jahrhunderts“.

Der Klima-Pavillion wird, wie ebenfalls verlautet, aus 100 % reproduzierbarem Streichholz errichtet und trägt den Namen der diesjährigen Trägerin des alternativen Nobelpreises Greta Thunberg.

Die Redaktion     27. September 2019          Als PDF drucken

Editorial 04  (16.09.2018)


“Oh Lord, please don’t let me be misunderstood“

Deutschland im Sommer – das war oft ein Problem und ist es jetzt wieder. Immer, wenn mal mehr als drei Tage hintereinander gutes Wetter ist, fühlen sich die Leute hier – egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund – vom Schicksal diskriminiert und respektlos behandelt. In einem Sommer, der anderswo gefeiert und begrüßt würde, wird hierzulande sogar der Höhepunkt multikultureller Vervolksgemeinschaftung vorzeitig beendet: Der diesjährige Christopher-Street-Day wurde bereits um halb acht wegen einer der berüchtigten Unwetterwarnungen des dörflichen Wetterdienstes vorzeitig beendet. Die lustängstlich/angstlustig herbeigesehnte Naturkatastrophe erwies sich dann zwar als noch geringer wie das vom Berliner Volksmund als „Husche“ bezeichnete, ebenso vorzeitige wie effektlose Ergießen, aber dafür hatte man ein paar Minuten Panik erzeugt und massenhaft genossen. War zwar kurz, aber immerhin . . .

Kürzlich als wir, eine Handvoll Gegner der Friedhofsbebauung und Befürworter von Diesem und Jenem, uns beim Portugiesen erst mit Rosewein und dann mit literweise Portwein vollaufen ließen und uns die Mägen mit fettem Schweinefleisch a la Carne Alentejano vollschlugen, behauptete ein Mitstreiter doch allen Ernstes etwas Seltsames: Immer, wenn er den Song „The Tide is High“ von Debbie Harry höre, gelinge es ihm, das Bild der Sängerin als einer spacken, ausgemerkelten Euroblondine zu verdrängen und an ihrer Statt die Vision einer dunkelhäutigen, beleibten Afroamerikanern irgendwo am Ufer des Mississippi oder in einem Hafenviertel von Kingston (Jamaica) zu evozieren. „Weißt du, ich stelle mir sie dann als eine echt geile Alte vor . . .“ Zum Glück wusste der leicht Angetrunkene nicht, dass bei der geringsten Erwähnung solch anzüglicher Worte automatisch mein vor über 30 Jahren bei einem Straßenfest am Chamissoplatz erworbener Anti-Sexismus-Filter in Aktion tritt und alles Unziemliche bereits in den Hörgängen neutralisiert.

Während der dumme Kerl wohl noch seine unsäglichen Phantasmen eines alten weißen Mannes vor sich hin brabbelte, war ich in Gedanken bereits wieder im Kampf für den Erhalt der Bergmannfriedhöfe unterwegs. Eine nicht lange zurückliegende Begebenheit wollte meinen überfüllten Gedächniszellen partout nicht entweichen. Als ich mit dem Fahrrad die Ecke Jüterboger/Golßener Straße (also direkt am locus delicti) passierte, wurde ich unmittelbar von einem gellenden Schrei wie von einem Pistolenschuss gestoppt: „Da ist er, der Rassist, der Lückert!“ Bei dem das Geschoss abfeuernden Schützen handelte es sich um den Naturfreund und Berufsjungsozialisten Uwe H. Obwohl an diesem Tag der Sommer noch nicht all seine verwirrenden Potentiale entfaltet hatte, war unser Uwe doch ganz schön aus dem Häuschen. Insgesamt drei Mal wiederholte er: „Da ist er, der Rassist, der Lückert!“ Der solcherart Erregte bewegte sich schwankenden Schrittes um eine Gruppe von etwa 20 Personen, deren Mittelpunkt offenbar ein bekannter Kreuzberger Hassprediger bildete, der dem Uweschen Auftritt mit gesenktem Kopf und verschränkten Armen folgte, als sei er der pädagogische Leiter eines Theaterkurses, dem gleich die lästige Pflicht obliegen würde, die Auftritte der einzelnen Mitglieder kritisch, gleichwohl solidarisch zu beurteilen. Es gelang mir freilich nicht, eine genaue Kenntnis darüber zu erlangen, welch bizarren Ritualen oder anderen höchst merkwürdigen Dingen die obskure Gruppe eine Stunde vor Anbruch der Dunkelheit am Friedhofsgelände nachgehen würde. Eine Aktivistin mit zwar körperbetonendem, aber deprimierend grauem, Kleid schoss nicht nur mit ihrer Handykamera auf den wohl nicht erwarteten Zeugen. Die grau gewandete Person sollte mir dann unaufgefordert ihr verhärmtes Antlitz zuwenden, aus dessen verbittertem Mund (Mundwinkel rigoros nach unten gebogen, das muss Verbitterung sein) mehrfach die Worte „Verschwinde hier, du Schwein!“ zischelnd entströmten. Ein Anliegen, dem ich dankbar entsprach. Wer schlüge schon eine solche Chance aus, wenn sie von Menschen gewährt wird, die über allen ihnen zur Verfügung stehenden kommunikativen Kanälen verkünden: „Wir können auch anders!“

Zurück mit den Gedanken in die portugiesische Kneipe stellte ich mit Erleichterung fest, dass mein angetrunkener Tischnachbar inzwischen seine unerträgliche sexistische Faselei eingestellt hatte und unverwandt auf die gegenüberliegende Wand starrte, auf deren buckliger Raufasertapete gerade eine große schwarz-blau glänzende Spinne ein nicht mehr zu definierendes längliches Objekt vertilgte. „Willkommen zurück in der Realität“, ertönte es aus Tausenden konspirativen Mikrobenmündern, die mählich aus der von einem blitzförmigen Spalt gezeichneten Zimmerdecke auf die Häupter der Alkoholisierten sich fallen ließen, so als hätte ein Mikrobenleben bislang vor allem aus der Absolvierung eines psychotherapeutischen Intensivkurses bei der Frau Doktor Schenk-Steiner an der Südostflanke des Tempelhofer Feldes bestanden.

An just dieser Südostflanke wurde heute vor einer Woche der Prinz Nidal getötet, sein islamischer Leib aufgeschlitzt von den Kugeln aus vier automatischen Schnellfeuerwaffen wie ein brandenburgischer Acker im März durch die irrsinnige Pflügerei märkischer Bauern. Vier Tage später dann wurde der bleidurchschlitzte Leib, nur von einer palästinensischen Flagge in einem einigermaßen konstanten Zustand gehalten, in die islamisch geweihte Erde des Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhofs in Schöneberg versenkt. Auf diesem Friedhof wird übrigens nicht gebaut. Die lieben Muslime verwahren sich dagegen, die Ruhe ihrer Verstorbenen durch niemals endendes Kleinkindergebrüll oder schmatzendes Aufklatschen der Rotzmasse bei Spuckwettbewerben niemals erwachsen Werdender stören zu lassen. Nun ja, könnte man sagen, was soll man und dabei ein weiteres Glas aromatischen Portweins über unsere vom Hass ausgezehrten Kehlen rinnen lassen, nun ja, immerhin verlangt Imam Storck ja (noch?) nicht, dass ein baufälliges Mausoleum auf den Bergmannfriedhöfen zu einem Mahnmal palästinensischen Freiheitsdurstes und islamischer Rache umgewidmet werden soll. Wie auch immer. Fürs Erste beschließen wir diese digitale Andacht mit dem Stoßgebet eines Propheten, der es wissen musste: „Oh Lord, please don’t let me be misunderstood“!

Die Redaktion     16. September 2018          Als PDF drucken

Editorial 03  (10.05.2018)


Immerhin. Aber: Was soll man …?“

Foto: Klaus Lückert

„Berlin trägt Kippa!“, war das Motto einer Kundgebung am 25. April 2018 vor dem jüdischen Gemeindehaus in der Charlottenburger Fasanenstraße. Etwa 3000 Teilnehmer, darunter auch die Redaktion, hatten sich versammelt um gegen die zunehmenden judenfeindlichen Gewalttaten in Berlin zu protestieren. In der Tat waren auch viele, egal ob Juden oder nicht, mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa, erschienen. Die frühere Fernsehmoderatorin Lea Rosh rief in ihrem Redebeitrag dazu auf, künftig jeden Freitag als Kippatag zu begehen. Das war leider nicht nur der einzige originelle Bestandteil von Rosh‘ Rede, es war auch das einzig Originelle, was auf der ganzen Kundgebung verkündet wurde. Die versammelten Talking Heads aus politischem und medialem Showbusiness wiederkäuten das in Deutschland derzeit Übliche. Zwar sei Antisemitismus nicht hinzunehmen, aber ebenso wenig das, was der deutsche Schmock üblicherweise als Islamophobie bezeichnet. So wurde mit dieser Kundgebung eigentlich dem notwendigen Kampf gegen den aktuell vor allem islamisch inspirierten Antisemitismus ein Bärendienst erwiesen. Doch wie sagte einst der Siebenbürger Sachse mit seinem ethnotypischen Stoizismus: „Was soll man …“. Ja, was eigentlich? Na, immerhin ist auch am 25. April mal wieder über Antisemitismus gesprochen worden. Immerhin.

Die Redaktion     10. Mai 2018          Als PDF drucken

Editorial 02  (20.12.2017)


Storck essen Seele auf

Sind Sie vielleicht schon einmal in einem sozialpädagogischen Beruf tätig gewesen oder kennen Sie jemand, die/der dies getan hat und vielleicht heute noch tut? Falls ja, und dafür spricht gerade in Kreuzberg einiges, dann kennen Sie vielleicht die folgende Grundstruktur einer immer wiederkehrenden Erzählung (Narrativ, sagen die postmodern Gebildeten unter uns, har har . . .): Ein gerade aus den nebligen Gefilden des Deliriums heimgekehrter Suchtkranker, meistens ein/e Alkoholiker/in deklamiert noch mit Resten des Teufelsstoffes im Blut so etwas, das Christenmenschen einstmals „Damaskuserlebnis“ genannt hätten. Er/sie werde fortan der Droge und allen verdächtigen Substanzen entsagen und darüber hinaus mit einem gigantischen lebenslänglichen Aufklärungswerk beginnen, das der Welt ein für allemal klar mache: „Der Teufel hat den Schnaps gemacht!“

Wer aus eigener Praxis oder/und Erzählungen anderer diese Dinge kennt, weiß gleichwohl auch, wie schwer dann die proklamierte Wandlung vom Saulus zum Paulus wirklich werden sollte. Weil wir dies alles wussten, näherten wir uns auch völlig illusionsfrei jenem pathetischen Schuldeingeständnis aus der Storckschen Prosaproduktion das kürzlich mit der Absenderangabe „Erklärung des Gemeindekirchenrates“ in und um die Passionskirche angebracht wurde. „In den letzten Jahren“, heißt es in jenem denkwürdigen Schreiben, „nimmt in unserem Land gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu.“ Ach, welch Balsam hätten solche Worte doch für unsere wunden Kritikerseelen sein können. Waren wir doch sowohl namentlich als Einzelne als auch als Mitglieder der Initiative dem gruppenbezogenen Hass des Hasspredigers Peter Storck, seiner Claqueure und Mitläufer ausgesetzt. Die Kanzel der Passionskirche wurde mindestens einmal für eine demagogische Hasspredigt gegen unsere Initiative und unser Anliegen entweiht. Im Internet erschienen Aufrufe zur Gewaltausübung gegen die Mitglieder der Initiative, die in einer interessanten projektiven Umkehrung als Rechte“ und „Völkische“ verglimpft wurden.

Auch wenn wir inzwischen wissen, dass sich hinter der rhetorischen Maske jungautonomer Streetfighter mehrheitlich ältere Herrschaften aus der 61-er Kneipen- und Markthallenszene verbergen, die menschliche Niedrigkeit solchen Treibens kotzt uns immer noch ziemlich an. So wie uns auch das um die Kirche platzierte Schuldeingeständnis ankotzt, weil es offenbar nicht einmal mit dem illusionären Pathos des oben erwähnten Suchtkranken verfasst wurde, vielmehr der Wille zum verbissenen Weitermachen wie bisher, der Wille mit Hass und Destruktivität fortzufahren, der Inspirator dieser seltsamen Schrift gewesen ist. Denn nur ein Satz weiter heißt es in dem vom Gemeindekirchenrat verantworteten Pamphlet „Menschen werden ausgegrenzt und angegriffen, weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören.“ Wie wahr! Wie wahr? könnte man meinen, Schließlich wurden ausgerechnet wir mit der Behauptung, wir seien „völkisch“, ausgegrenzt, weil wir es uns erlaubt hatten, in Bezug auf das Verhältnis der sich selbst völkisch als Umma definierenden Gruppe der sunnitischen Muslime und dem Friedhof einige kritische Fragen zu stellen. Nicht dass wir meinen, solcherlei routiniert daherkommende Lüge und Verunglimpfung sei exklusiv nur bei den Demagogen vom Marheinekeplatz zu finden. Wir wissen, dass es sich hier um ein Allgemeingut im zeitgenössischen Merkel-Deutschland handelt: Wer autoritäre, brutale und menschenverachtende Verhaltensweisen und kulturelle Standards sogenannter „Geflüchteter“ kritisiert, wird in Merkel-Deutschland als Rassist, Sexist, islamophob und was sonst noch alles denunziert. In dem Land, dessen gespenstischer Opferkult inzwischen nicht nur die eigenen selbstverschuldeten Toten und Flüchtlinge des WK-2 umfasst, in dem der morbide Kult einer Gemeinschaft von Selbstmordattentätern, wie sie etwa die Deutschen Anfang 1945 darstellten, mit Pathos auf Schauplätze islamischer Selbstabschlachtung wie Aleppo und Ähnliches übertragen wird, wird mühelos der islamistische Attentäter zum bedauernswerten Geflüchteten. Dem 24-jährigen Anis Amri war es vor seiner finalen gottesfürchtigen Tat gelungen, 16 Mal hintereinander eine andere Identität vor professionellen Flüchtlingsbürokraten aufzuführen. Möchten wir eigentlich wissen, wie oft der spätere Massenmörder mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer/inne/n zusammenhing, ihre Lobhudeleien und andere peinlichen Zuwendungen entgegen nahm? Besser wir sagen es hier gleich offen: Auch dem Islam sind wir gram!

Wenn wir überhaupt in diesem Land der Konformisten und Speichellecker, der Ewig-Gewehr-bei-Fuß-Stehenden mit irgendwem solidarisch sein können, dann nur mit solchen, die sich den deutschen Zumutungen widersetzen. Und keinesfalls mit solchen, die, weil sie den sadistischen Todeskult einer archaischen Kriegsgesellschaft, wie sie die islamische Umma darstellt, favorisieren, das deutsche Unheil nicht der Ausgrenzung, sondern der Selektion, nicht der Abschiebung, sondern der Vernichtung, aktiv noch bestärken. Manchmal zwitschern auch schräge Vögel die Wahrheit. Als Karl Lagerfeld im französischen TV richtig feststellte, Deutschland habe Millionen Juden ermordet und hole nun Millionen der ärgsten Judenfeinde ins Land, war das konformistische Bohei groß. Dabei hatte der Mann doch nur das gesagt, was jeder wissen kann, auch der blödeste Berliner PW-Lehrer oder Lokaljournalist. Was innerhalb der muslimischen Communities vor sich geht, wie dort mit Kindern, Frauen und Schwachen umgegangen wird, was man dort über Homosexualität und andere Selbstverständlichkeiten der menschlichen Selbstbestimmung denkt, was man dort von den Juden, der Shoah und den Nazimördern hält, kann jeder jederzeit erfahren. Man mag den islamischen Kreisen einiges vorwerfen können, doch dass man dort wenig freimütig mit seiner Meinungsäußerung zu den genannten Punkten umgehe, gehört gewiss nicht in die Liste der Vorwürfe. Die meisten der AFD-Wähler/innen und vormaligen Pegida-SympathisantInnen, die wir kennen, stammen aus dem sogenannten migrantischen Milieu, haben sich zum Teil sehr mühe- und schmerzhaft aus ihren islamischen Familienzusammenhängen lösen müssen. Diese Menschen, von denen einige uns sehr nahe stehen und unsere unbedingte Loyalität genießen, fühlen sich durch den massenhaften Zustrom namentlich islamisch-sunnitischer „Flüchtlinge“ bedroht. Ebenso bedroht fühlen sie sich durch die islamophile Demagogie der merkel-deutschen Eliten. Dieser Haltung schließen wir als Initiative uns an. Wenn wir die kultur- wie architekturhistorischen Denkmäler der Kreuzberger Friedhöfe bewahren wollen, so auch, um dem zunehmenden Verfall des Individuums, individueller Lebensgestaltung und individueller Freiheit (so ideologisch wie illusorisch das im Einzelnen auch immer gewesen sein mag) etwas entgegenzusetzen. Wir denken, es gibt einen Zusammenhang zwischen einem immer gleichförmiger werdenden Leben im Spätkapitalismus, dem zunehmenden Bedürfnis der Menschen ihre Leichname verbrennen zu lassen und möglichst sang- und klanglos zu verschwinden und dem Wunsch nach Aufgehen in einer gleichförmigen Masse, die jedes Streben nach persönlichem Weltempfinden barbarisch bestraft.

Es gibt u. E. viele Bezüge zwischen Selbstmordattentätern und Nazis, viele Ähnlichkeiten zwischen den proislamischen Antifa-Aufmärschen unserer Zeit und den Sturm-Abteilungen (SA) der Nationalsozialisten. Die zwangshomosexuellen Geschlechtergemeinschaften der Nazis ächteten gleichermaßen jede reale Homosexualität wie dies die Zwangsgemeinschaften der islamischen Geschlechterapartheid praktizieren. Wenn Freitag in den meisten Moscheen zum (Todes-)Kampf gegen Israel aufgerufen wird, unterscheidet sich das nur durch eine spezifische Rhetorik von gleichartigen NS-Aufrufen zum Kampf gegen das „organisierte“ Judentum.

„Menschenfeindlichkeit schadet unserer und ihrer Seele“ ist demagogisch das Pamphlet des Gemeindekirchenrates überschrieben. Dieser Slogan – der auch als Transparent an den beiden Kirchen hängt – ist in seinem Kontext demagogisch, weil er unterstellt, die Gegner des menschenfeindlichen Islams seien nicht nur selbst Menschenfeinde, sondern vielmehr sogar die einzigen Menschenfeinde, während die Anhänger des Islams als bedauernswerte „Geflüchtete“ verklärt werden. Natürlich kann so eine krude Weltanschauung in Bezug auf eine Organisation, wie etwa einer Kirchengemeinde nicht ohne eine gerüttelte Portion Zwang und Druck auskommen. Über wahnwitzig Überzeugte, sei es in islamischen Communities oder in den islamaffinen Gruppen der postchristlichen Kirchen in Deutschland, schwebt auch immer die Drohung mit dem Verhängnis von Verurteilung und Ausschluss: „Wir halten das für eine gefährliche Entwicklung“, heißt es in dem Text des Gemeindekirchenrates wohl noch mit Blick nach außen. Der Innenblick gibt sich gleichermaßen alarmiert, kommt jedoch ein wenig schriller im Ton daher: „Auch innerhalb unserer Kirche gibt es nicht wenige Menschen, die von dieser Haltung der Ausgrenzung verbunden mit nationalistischen Ideen angesteckt werden.“ Abgesehen davon, dass wir nationalistische Ideen in der letzten Zeit höchstens bei LINKEN und SPD feststellten und bei deren Kritikern in der Regel nicht, wollen wir dazu noch folgendes feststellen: Offensichtlich glauben die Verfasser dieses Machwerks an einen Zusammenhang von politischer Einstellung und körperlicher bzw. mentaler Konstitution. Wer ihre Auffassung nicht teilt, ist „angesteckt worden“, ist also krank.

Im Klartext: Es ist die Masche aller autoritären Politik- und Regierungsformen abweichende Auffassungen als krank und damit schädlich zu bezeichnen. Die Repressionsmaßnahmen, die ergriffen werden, um die Abweichler zum Schweigen zu bringen, werden häufig mit Begriffen aus dem Gesundheitswesen umschrieben, etwa wenn man „sozial-sanitäre“ Maßnahmen gegen „Parasiten und Zersetzer“ durchführt. Auch kann man leicht in Erfahrung bringen wie beispielsweise in der Türkei mit den Begriffen „geisteskrank“ und „schizophren“ umgegangen wird, wenn es darum geht sozial- und/oder sexuell abweichende Familienmitglieder zu disziplinieren, abzuschieben oder etwa durch „Selbstmord“ verschwinden zu lassen.

Wir hoffen, dass diese kurze Erklärung für ein wenig Klarheit sorgen wird und wir nun auch nicht weiter dauernd gefragt werden, ob wir nicht doch für die lieben Geflüchteten eine kleine Spende übrig hätten. Nein, haben wir nicht. Nein, wir mögen den autoritären Islam nicht, wir mögen auch nicht seine eilfertigen Zuarbeiter, seien sie Politiker, Pressefuzzis, postchristliche Pfarrer und andere Unterwerfungsbedürftige. Wir haben schon nicht mitgesungen als die jungen Storcks in ihren K-Gruppen, Autonomenplena und prosowjetischen Gemeinden noch das Hohe Lied der menschlichen Selbstunterwerfung als „Einsicht in die Notwendigkeit“ ertönen ließen. Wir sind inzwischen älter geworden, aber greisenhaftes Vernünfteln hat uns bis jetzt ebensowenig erwischt wie die senile Bettflucht.

Die Redaktion     20. Dezember 2017          Als PDF drucken

Editorial 01  (21.06.2017)


“Jesus loves you more than you will know”

Liebe Lesende,

wir wissen, dass die meisten von Ihnen die 40 und nicht wenige auch die 50 überschritten haben. Wir wissen das, weil wir Sie gesehen haben. Ja, genau Sie … Wir haben Sie gesehen bei unseren Unterschriftensammlungen, wir haben Sie gesehen, als Sie am 24. Januar in der Passionskirche gemeinsam mit uns den Ausführungen des Storck und anderer evangelisch-atheistischer Hassprediger folgten. Wir haben Sie gesehen, als wir im Gebüsch der Bergmannfriedhöfe auf Lauer lagen, um mit Genugtuung zu verfolgen, wie Sie den teuflischen Einflüsterungen unserer Kommunikationsversuche folgten, wie die trüben Augen so mancher hier und da ein gar nicht mal so verhohlenes Glimmen erkennen ließen. War es ein Glimmen der Hoffnung, der Erwartung oder war es nur unsere illusionäre Selbsttäuschung total Bekiffter. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Inschallah …

Wie bei den meisten über vierzig, liebe Lesende, handelt es sich auch bei Ihnen – ebenso wie übrigens bei uns – um Geflüchtete und Geflohene zugleich. Die meisten von uns tragen traumatische Wunden, die nur schwer von den dezimeterstarken Decken unserer Wunscherinnerungen gelindert und verborgen werden, mit sich. In Zeiten genderkritischer Befragungen der oftmals schwindelerregenden Konstruktionen des Selbst und der Identitäten wollen wir heute einmal den Finger in eine unstillbare Wunde männlichen Weltbewusstseins legen. Alte Westberliner erinnern sich noch an die melancholischen Rummelplätze westdeutscher Provinzmetropolen mit ihren Karussells, Luftgewehrschießbuden und salmonellenverseuchtem Softeis. In jener, heute in magischer Entrückung verharrenden, Welt hat so mancher von uns Dinge erlebt, die erst bei der Erwähnung anspielungsreicher Stichwörter wie Raupe, grüne Zeltbahn und Creedence Clearwater Revival aus dem verordneten Tiefschlaf des Unbewussten erwachen. Die zentrale Attraktion jener Rummelplätze war ein Karussell, das Jungen wie Mädchen gleichermaßen die Raupe nannten. Kleine Wagen bewegten sich auf einer runden Spur langsam eine Anhöhe hinauf um danach mit verstärkter Geschwindigkeit hinab zu sausen und das so gewonnene Tempo beim erneuten Anstieg wieder etwas einzubüßen. Wer die Aufbauten eines solchen Karussells betrat, nahm auf der linken Seite die Gruppe der Mädchen wahr, auf der rechten die der Jungen. Das Spiel ging nun so: Einzelne Jungen lösten sich aus ihrer identitären Stammhorde und sprachen Mädchen an, wolln wir nich mal ne Fahrt …  Wenn das Mädchen eingewilligt hatte, ging das Abenteuer los. Auf und nieder bewegten sich die Wagen, dabei künftige Wonnen bestenfalls andeutend. So diskret waren damals die Zeiten.

Dann, als Höhepunkt, erhob sich eine grüne Zeltbahn, die im inneren Rand des Karussellzirkels angebracht war, erhob sich mehr und mehr, um schließlich über die Wagen hinweg zu stürzen und das gesamte Karussell mit einer grünen Oberfläche zu bedecken. Daher wohl auch die für Heutige ein wenig erratische Bezeichnung: die Raupe. Wie eine große Raupe ohne Kopf, wie die Inkarnation staatsbürgerlichen Fortschritts, drehte sich das Karussell und drehte sich … Nach ungefähr ein bis zwei Minuten hob sich die grüne Zeltbahn wieder, die Außenstehenden schauten neugierig auf die Wageninsassen und tatsächlich, nicht wenige Paare küssten sich oder hatten sich zumindest umarmt, was seinerzeit vor allem bedeutete, der Arm des Jungen lag auf der Schulter des Mädchens. Das war bei den meisten der Paare so. Zu den wenigen, die den Sprung in die temporäre Intimität nicht geschafft hatten, gehörten damals auch Thomas und Aysche. Nein, eigentlich hieß sie gar nicht Aysche, sondern Funda, wie manche von uns glaubten, obwohl Funda für andere der Name ihrer großen Schwester war. Für Thomas jedenfalls dürfte Funda durchaus der richtige Name für das entzückende Geschöpf neben ihm gewesen sein. Als sich die grüne Zeltbahn über den beiden gesenkt hatte, versuchte Thomas mit dem rechten Arm Funda an sich zu ziehen, während sein linker sich sanft ihren Brüsten näherte. Aus den Boxen ertönte laut die Stimme Paul Simons: „Jesus loves you more than you will know. Hou hou hou.“ Was auf Thomas wohl ermutigend gewirkt haben dürfte. Doch mit unerwarteter Entschlossenheit wandte Funda sich brüsk von ihm ab. „Bist du verrückt?“ zischte sie. „Da draußen stehen meine Brüder.“ Was immer man sich unter Phrasen wie „Ich war wie vor den Kopf geschlagen“ auch vorstellen mag, Thomas war dies in diesem Moment in der Tat. Schnell erhob sich die grüne Zeltbahn wieder über den Paaren und benommen betrat Thomas die wackligen Planken des Karussell-Aufbaus. Flüchtig konnte er noch wahrnehmen wie Funda unter den Umstehenden verschwand. Nun ertönte die Stimme John Fogertys, des Frontsängers von Creedence Clearwater Revival: „I see a bad moon on the rising I see the end is coming soon.” Ja, so ist es wirklich, dachte Thomas, und war überzeugt, diese seltsame Koinzidität würde ihm, in welcher Form auch immer, später im Leben noch begegnen. Den Rummelplatz verließ er bald mit der Bitterkeit des Geflohenen, obgleich er im Innern überzeugt war, eher ein Geflüchteter zu sein.

Nun, liebe Lesende, wollen wir es für heute mit dieser Reminiszenz aus dem Segment der niemals erwachsen werdenden Männer belassen und erst mit einem späteren Beitrag die Stirn aufbringen, Ihnen Vergleichbares aus der Welt der Frauen und Mädchen zuzumuten. Aber schon jetzt werden Sie, ebenso wie hoffentlich auch wir, gemerkt haben mit welch einem unheilvollen Gewirr von Verstrickungen ein unvoreingenommener Mensch angesichts von Fluchtursachen konfrontiert ist. Ja, es ist traurig, banal und beschämend: Was diese Dinge betrifft, hätten wir uns alle viel zu erzählen. Alle, Hassprediger wie Mitläufer, Muttis junge Antifa-Garde und kritische Zeitgenossen wie wir – und der Rest auch.

Damit starten wir unsere Website, die in Zukunft hoffentlich durch eine anschwellende Zahl von Beiträgen sich präsentieren wird. Genießen Sie’s, verdammen Sie’s, trinken Sie was oder dröhnen Sie sich mit veganer Pampe voll. Wie auch immer. Wir sehen uns.

Die Redaktion     21. Juni 2017          Als PDF drucken


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