Editorial 03 / 10.03.2018


Immerhin. Aber: „Was soll man …?“

Foto: Klaus Lückert

„Berlin trägt Kippa!“, war das Motto einer Kundgebung am 25. April 2018 vor dem jüdischen Gemeindehaus in der Charlottenburger Fasanenstraße. Etwa 3000 Teilnehmer, darunter auch die Redaktion, hatten sich versammelt um gegen die zunehmenden judenfeindlichen Gewalttaten in Berlin zu protestieren. In der Tat waren auch viele, egal ob Juden oder nicht, mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa, erschienen. Die frühere Fernsehmoderatorin Lea Rosh rief in ihrem Redebeitrag dazu auf, künftig jeden Freitag als Kippatag zu begehen. Das war leider nicht nur der einzige originelle Bestandteil von Rosh‘ Rede, es war auch das einzig Originelle, was auf der ganzen Kundgebung verkündet wurde. Die versammelten Talking Heads aus politischem und medialem Showbusiness wiederkäuten das in Deutschland derzeit Übliche. Zwar sei Antisemitismus nicht hinzunehmen, aber ebenso wenig das, was der deutsche Schmock üblicherweise als Islamophobie bezeichnet. So wurde mit dieser Kundgebung eigentlich dem notwendigen Kampf gegen den aktuell vor allem islamisch inspirierten Antisemitismus ein Bärendienst erwiesen. Doch wie sagte einst der Siebenbürger Sachse mit seinem ethnotypischen Stoizismus: „Was soll man …“. Ja, was eigentlich? Na, immerhin ist auch am 25. April mal wieder über Antisemitismus gesprochen worden. Immerhin.

Die Redaktion     10. Mai 2018          (als PDF drucken)


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