Die Veranstaltung (24.1.2017)


Die „Anwohner-Informationsveranstaltung“ in der Passionskirche am 24.1.17

Der Evangelische Friedhofsverband richtete am 24.1.17 in der Passionskirche am Marheinekeplatz ab 17 Uhr eine „Anwohner-Informationsveranstaltung“ aus, in der Pläne zur Bebauung eines Teils der Bergmannfriedhöfe vorgestellt wurden.


  • Die "Anwohner-Informationsveranstaltung" (Bild: 24.1.17)

21.6.17 / Hinweis von Bergmannfriedhoefe.de: Schon bevor die Veranstaltung begann, zeigten einige Leute Präsenz vor der Passionskirche (Bilder davon siehe hier). In der Kirche selbst wurden die Bebauungspläne zunächst vom Podium aus vorgestellt. Anschließend sollte eigentlich auch das Publikum gebührend zu Wort kommen. Doch sobald jemand gegen das Projekt argumentierte, wurde sie/er von fanatisierten Baubefürworterinnen und – befürwortern aus Kirchen- und SPD-nahen Kreisen niedergeschrien. Ein halbwegs fairer Austausch von Argumenten kam daher nicht zustande (vgl. Kreuzberger Chronik vom Februar 17 oder den Beitrag Postchristliche Immobilienvermarktung aus dem Juni 17).


22.11.19 / Nachtrag zur Veranstaltung vom 24.1.17:
Im Vorfeld der Veranstaltung tauchten verschiedene, sich gleichwohl ähnelnde Einladungsschreiben des Evangelischen Friedhofsverbandes auf, in denen die maßgeblichen Pfarrer behaupten, das Bezirksamt habe das Bauvorhaben an der Jüterboger Straße bereits 2015 bewilligt, was sich – um dies schon mal vorweg zu nehmen – zum Glück noch während der Veranstaltung als Desinformation herausstellte! Beispiele: Auf dem Friedhofsgelände dürften manche hierüber gestolpert sein (b): „Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat diesem Bauvorhaben am 01.12.2015 einstimmig zugestimmt.“ Den Beschäftigten des LABO flatterte die Meldung so ins Haus (a): „Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat am 1.12.2015 dazu einstimmig Grünes Licht gegeben.“ Im Schaukasten der Passionskirche verkündete Pfarrer Jürgen Quandt (c): „Ab 21.01.2017 wird der Grundriss des Baukörpers mit Flatterband vor Ort gekennzeichnet.“ Und Pfarrer E. Gahlbeck ließ im Namen des Friedhofsverbandes noch während der Veranstaltung ein Papier (d) verteilen, in dem steht: „Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat am 1.12.2015 einstimmig beschlossen, das Projekt zu unterstützen und fand den gewählten Ort und die Beteiligten richtig.“ Um die öffentliche Meinung in die gewünschte Richtung zu beeinflussen, gelangte diese Nachricht auch auf die Website der Gemeinde Heilig Kreuz – Passion (e): „Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat diesem Bauvorhaben am 01.12.2015 einstimmig zugestimmt. (…) Es handelt sich lediglich um die Randbebauung eines stillgelegten Friedhofsteils an der Jüterboger Straße zur Errichtung einer Flüchtlingsunterskunft. (…) Ab dem 21. Januar 2017 wird ein Grundriss des Baukörpers vor Ort abgesteckt, so dass sich Interessierte ein Bild von der tatsächlichen Lage machen können.“ Bürgermeisterin Monika Herrmann blieb nichts anderes übrig, als noch während der Veranstaltung darauf hinzuweisen: „Es hat keinen solchen Beschluss gegeben – nicht einmal einen Bauantrag“, so Herrmann.

Hier die uns bekannten Ankündigungsschreiben (a-e):
a) Information (per E-Mail vom 20.12.2016) an die Beschäftigten des Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), Jüterboger Str. 3, 10965 Berlin. Verfasser: EVFBS (als PDF öffnen)
b) Aushang (Ende Dezember 2016 / undatiert) im Schaukasten des Dreifaltigkeitsfriedhofs II, Bergmannstr. 39-41, 10961 Berlin. Verfasser: EVFBS, Pfarrer Gahlbeck, Pfarrer Quandt (als PDF öffnen)
c) Aushang (datiert vom 16.01.2017) im Schaukasten der Passionskirche am Marheinekeplatz mit Lageplan (ab dem 21.01.2017) und namentlicher Erwähnung der Podiumsteilnehmer. Verfasser: Pfarrer Jürgen Quandt (als PDF öffnen)
d) Doppelseitig beschriftetes DIN-A4-Blatt (undatiert) als Auslage bei der „Anwohner-Informationsveranstaltung“ am 24.01.2017. Verfasser: Pfarrer E. Gahlbeck, EVFBS (als PDF öffnen)
e) Ankündigung der „Anwohner-Informationsveranstaltung“ durch die Evangelische Kirchengemeinde Heilig Kreuz – Passion [Abrufbar unter: http//www.heiligkreuzpassion.de/veranstaltungskalender/event/…]. (als PDF öffnen)

In dem Schreiben an die Beschäftigten des LABO (a) steht auch: Falsch ist die in Unterschriftslisten, die im Kiez ausliegen, aufgestellte Behauptung, der Friedhofsverband plane eine Bebauung der Friedhöfe in der Bergmannstraße. Diese Unterschriftslisten richten sich ausschließlich gegen den Plan des Baues einer Flüchtlingsunterkunft, ohne diese allerdings auch nur zu erwähnen. Der Friedhofsverband plant lediglich eine Bebauung am Friedhofsrand.“
Die in dem Zitat enthaltenen 3 Aussagen können nicht unwidersprochen bleiben:
I) Dass mit der Unterschriftenaktion Anno 2016 der Anschein erweckt werden sollte, der Friedhofsverband plane eine Bebauung der gesamten Bergmannfriedhöfe, ist an den Haaren herbeigezogen.
II) Auf den Unterschriftenlisten, die rund um diese Friedhöfe unterschrieben werden konnten, wird in der Tat nicht explizit auf die genauen Pläne des Friedhofsverbandes eingegangen. Das hatte einen einfachen Grund: Die Pläne waren zum damaligen Zeitpunkt nur gerüchteweise bekannt. Außerdem sollte der Text auf den Listen allen Eventualitäten standhalten. Ist es nicht großartig, dass 3802 Personen, mit ihrer Unterschrift bekräftigten: „Keine Bebauung [. . .] Wir wenden uns entschieden gegen Wohnungsbau auf diesen Friedhöfen“.
III) Nun zum Friedhofsrand: Die zur Bebauung vorgesehene Fläche liegt tatsächlich am Rand des Friedrichswerderschen Friedhofs; dieser „Friedhofsrand“ befindet sich aber beileibe nicht am Rand, sondern im Zentrum des 21 ha großen denkmalgeschützten Geländes der Friedhöfe an der Bergmannstraße (siehe 2017 veröffentlichter Lageplan). Würde dort gebaut, wäre das ein tiefer Einschnitt in das gesamte Ensemble. Zudem liegt das Areal eindeutig im Außenbereich (vgl. § 35 Baugesetz), der grundsätzlich von so gut wie jeder Bebauung freizuhalten ist.

Drei Jahre sind inzwischen vergangen! Viele Interessierte gingen bereits davon aus, die Evangelische Kirche habe den Plan einer Bebauung auf den Bergmannfriedhöfen längst sang und klanglos ad acta gelegt. Doch weit gefehlt: Anfang November 2019 stand nicht nur in der Berliner Morgenpost, der Evangelische Friedhofsverband „plane die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft“ an der Jüterboger Straße. Ob bereits ein Bauantrag gestellt wurde, geht aus der Nachricht zwar nicht hervor, ist aber anzunehmen. Das Projekt soll sich nämlich bereits in der behördlichen Abstimmungsphase befinden. Danach will man Anwohner und Friedhofsnutzer in einer öffentlichen Veranstaltung über die Pläne informieren. Wie schön sie doch ist, diese schöne Neue Welt! Bleibt nur noch zu fragen: Was passiert, wenn die Menschen im Verbund mit den Fachleuten weiter gegen den Bau opponieren? Besser wäre es, der Bauantrag würde die Abstimungsphase nicht überstehen!
(Bergmannfriedhoefe.de – 1.3.2018, aktualisiert: 22.11.19)


Das zur Bebauung vorgesehene Gelände (Bild: 02/2017)

Bergmaqnnfriedhoefe.de – 21. Juni 2017, letzte Aktualisierung: 22.11.2019


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